Pflanzenbasierte Ernährung – Chancen und Akzeptanz in der Gemeinschaftsverpflegung
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Inhaltsverzeichnis
Was ist eine pflanzenbasierte Ernährung?
Eine pflanzenbasierte Ernährung beschreibt eine Ernährungsweise, bei der pflanzliche Lebensmittel den Schwerpunkt bilden. Dazu zählen unter anderem Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst, Vollkorngetreide, Nüsse und Samen. Eine einheitliche wissenschaftliche Definition gibt es bislang nicht – vielmehr handelt es sich um ein Ernährungskonzept, das unterschiedlich interpretiert und umgesetzt wird.
Ziel einer pflanzenbasierten Ernährung ist es, gesundheitliche und ökologische Aspekte miteinander zu verbinden. Durch den hohen Anteil pflanzlicher Lebensmittel können Ressourcen wie Wasser und Land geschont und Umweltbelastungen reduziert werden – ohne dabei Genuss und Vielfalt außer Acht zu lassen.
Abgrenzung: pflanzenbasiert, vegetarisch, vegan
Im Unterschied zu vegetarischen oder veganen Ernährungsformen schließt eine pflanzenbasierte Ernährung tierische Produkte nicht grundsätzlich aus. Fleisch, Fisch, Eier, Milch und Milchprodukte können Teil des Speiseplans sein, spielen jedoch eine untergeordnete Rolle. Die pflanzenbasierte Ernährung versteht sich dabei als übergeordnetes Konzept, das unter anderem flexitarische Ansätze sowie Konzepte wie die sogenannte „Planetary Health Diet“ umfasst.Warum eine pflanzenbasierte Ernährung an Bedeutung gewinnt
Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht empfehlen Fachinstitutionen wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) und das Forschungsinstitut für pflanzenbasierte Ernährung (IFPE) den Anteil pflanzlicher Lebensmittel in der täglichen Ernährung zu erhöhen. Im Fokus steht dabei eine ausgewogene, pflanzenbetonte Lebensmittelauswahl, nicht der vollständige Verzicht auf tierische Produkte.
Eine pflanzenbasierte Ernährung bietet mehrere Vorteile:
Diese Erkenntnisse liefern eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für die Weiterentwicklung des Speisenangebotes in der Gemeinschaftsverpflegung.
Gesellschaftliche Relevanz und wirtschaftliche Treiber
Neben wissenschaftlichen Empfehlungen treiben vor allem auch gesellschaftliche Veränderungen die Bedeutung einer pflanzenbasierten Ernährung voran. Tischgäste achten zunehmend auf Herkunft, Zusammensetzung und Ausgewogenheit der Mahlzeiten – und erwarten mehr pflanzliche Gerichte auf dem Speiseplan.
Auch wirtschaftliche und strategische Ziele spielen eine Rolle: Viele Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung verfolgen eigene Nachhaltigkeitsziele und sehen pflanzenbasierte Menüangebote als einen wirksamen Hebel, um ökologische Verantwortung mit zeitgemäßer Verpflegung zu verbinden.
Das große Potenzial der Gemeinschaftsverpflegung
Die Gemeinschaftsverpflegung spielt eine entscheidende Rolle bei der täglichen Versorgung unterschiedlichster Zielgruppen – von Kindern in Kitas über Mitarbeitende in Unternehmen bis hin zu älteren Menschen in Senioreneinrichtungen. Sie bietet ideale Rahmenbedingungen, um eine gesunde und nachhaltige Ernährung im Alltag zu fördern.
Tag für Tag erreicht die Gemeinschaftsverpflegung zahlreiche Tischgäste mit individuellen Ernährungsformen und Bedürfnissen. Dabei ermöglicht sie einen einfachen Zugang zu pflanzenbasierten Gerichten, die ohne großen Aufwand probiert und kennengelernt werden können.
Als wichtiger Impulsgeber trägt die Gemeinschaftsverpflegung somit dazu bei, die Akzeptanz einer pflanzenbasierten Ernährung zu steigern und ihren Anteil im Speisenangebot Schritt für Schritt auszubauen. Auf diese Weise können neue Essgewohnheiten nachhaltig etabliert werden.
Vorteile für verschiedene Tischgastgruppen
Die Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) bieten für Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung die wissenschaftliche Grundlage, um Speisepläne bedarfsgerecht, ausgewogen und praxisnah zu gestalten – unabhängig davon, ob in Kitas, Schulen, Betrieben, Kliniken oder Senioreneinrichtungen. Eine stärker pflanzenbetonte Ausrichtung lässt sich dabei gut integrieren:Kinder in Kitas und Schulen
Mitarbeitende in Betrieben
Menschen in Senioreneinrichtungen
Pflanzenbasiertes Angebot – so gelingt es in der Praxis
Eine erfolgreiche Umsetzung pflanzenbasierter Angebote in der Gemeinschaftsverpflegung gelingt am besten schrittweise. Statt bestehende Konzepte grundlegend zu verändern, können pflanzliche Gerichte gezielt ergänzt und weiterentwickelt werden – etwa durch einzelne Menükomponenten, Aktionsgerichte oder pflanzenbasierte Varianten bekannter Klassiker. Das erleichtert die Integration in bestehende Abläufe und erhöht die Akzeptanz bei Tischgästen.
Entscheidend ist eine Gestaltung der Menüs mit Fokus auf Genuss. Geschmack, Textur und eine ansprechende Präsentation der Speisen spielen eine zentrale Rolle – unabhängig davon, ob ein Gericht pflanzlich oder mit tierischen Komponenten angeboten wird. Bewährt hat sich, vertraute Gerichte mit pflanzlichen Lebensmitteln zu interpretieren und diese klar, positiv und appetitlich zu benennen.
Nudging – kleine Impulse mit großer Wirkung
Nudging beschreibt ein Konzept aus der Verhaltensökonomie, bei dem Menschen durch gezielte, positive Impulse zu bestimmten Entscheidungen angeregt werden – ohne Verbote oder Einschränkungen. In der Gemeinschaftsverpflegung kann Nudging dazu beitragen, pflanzenbasierte Gerichte attraktiver zu machen und ihre Auswahl zu fördern.
Typische Nudging Ansätze in der Praxis:
- Platzierung: Pflanzenbasierte Gerichte an erster Stelle im Speiseplan aufführen und, wenn möglich, gut sichtbar in der Speisenausgabe platzieren
- Benennung: Genussvolle, sprechende Namen statt rein beschreibender Bezeichnungen für Gerichte verwenden
- Gestaltung: Ansprechende Präsentation und klare Struktur am Ausgabepunkt
- Auswahl erleichtern: Pflanzliche Optionen als selbstverständlichen Teil des Verpflegungsangebotes integrieren
Richtig eingesetzt, unterstützt das Nudging-Konzept die Akzeptanz pflanzenbasierter Menüs und Menükomponenten und hilft Einrichtungen, ihr Angebot im Sinne einer gesundheitsfördernden und nachhaltigen Verpflegung nach den DGE-Qualitätsstandards weiterzuentwickeln.
Hier erfahren Sie mehr zum Thema Nudging in der Gemeinschaftsverpflegung.
Tischgäste begeistern – Kommunikation ist entscheidend
Ob pflanzenbasierte Gerichte angenommen werden, hängt auch maßgeblich von der Einbindung der Tischgäste ab. Transparente Information, eine wertschätzende Ansprache und vor allem die Möglichkeit, Feedback zu geben, schaffen Vertrauen und Orientierung. Rückmeldungen zu Geschmack, Portionsgröße oder Lieblingsgerichten helfen dabei, Angebote weiterzuentwickeln und langfristig Akzeptanz aufzubauen.Wie apetito Einrichtungen unterstützt
Mit der Initiative „Den Tisch gemeinsam bunter denken“ unterstützt apetito Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung dabei, Verantwortung zu übernehmen und eine pflanzenbasierte Ernährung ganz praktisch umzusetzen: durch mehr Vielfalt auf dem Speiseplan und Menüangebote, die zeitgemäße Erwartungen von Tischgästen erfüllen. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Fleisch oder tierische Lebensmittel grundsätzlich zu vermeiden. Vielmehr möchten wir dazu ermutigen, das Verpflegungsangebot mit attraktiven, pflanzenbasierten Menüs und Menükomponenten, die sich unkompliziert in bestehende Speisepläne integrieren lassen, genussvoll zu erweitern.-
Böhm U, Schäfer M (2026): Fleischalternativen in der Gemeinschaftsverpflegung. Perspektiven von Gästen und Küchenleitungen, in: Ernährungs Umschau, 73 (3), S. M150-M157.
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Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) (2023): DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Kitas, 6. Auflage, Bonn.
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Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) (2023): DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Schulen, 5. Auflage, Bonn.
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Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) (2023b): DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Betrieben, Behörden und Hochschulen, 6. Auflage, Bonn.
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Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) (2023): DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung mit „Essen auf Rädern“ und in Senioreneinrichtungen, Bonn.
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Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) (o. J.): Impulse für die Essenswahl. Handlungsempfehlungen für die Betriebsgastronomie, [online] https://www.kern.bayern.de/mam/cms03/wissenstransfer/dateien/handlungsempfehlungen-betriebsgastronomie.pdf [20.03.2026].
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Köder C, Keller M (2023): Pflanzenbasierte Ernährung: Begriffsbestimmung und Definitionen, in: Ernährungs Umschau, 70 (7), S. M428-M432.