Von Weizen bis Quinoa: Getreidesorten und verschiedene Getreidearten im Überblick
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Die wichtigsten Getreidearten für Ihre Ernährung
Getreide wie Weizen, Hafer, Roggen und daraus hergestellte Produkte wie Brot, Nudeln oder Müsli sind ein zentraler Baustein einer ausgewogenen Ernährung. Blickt man auf die Geschichte des Ackerbaus, so haben sich die Anbaumethoden bis heute stark gewandelt, doch die Landwirtschaft setzt weiterhin auf den Anbau dieser bewährten Energielieferanten. Empfohlen werden täglich – je nach Energiebedarf – fünf Portionen Getreide, Getreideprodukte und Kartoffeln. Eine Portion entspricht knapp 60 Gramm. Das kann eine Scheibe Brot, eine Portion trockene Nudeln oder Reis oder eine kleine Schüssel Getreide sein. Bei Kartoffeln dürfen es 250 Gramm pro Portion sein. Zu bevorzugen sind Getreideprodukte als Vollkornvariante. Sie sorgen für eine längere Sättigung und enthalten mehr Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe als Weißmehlprodukte. Pseudogetreide wie Quinoa, Amaranth oder Buchweizen gehören auch zu dieser Lebensmittelgruppe. Im Folgenden werfen wir einen Blick auf die Merkmale, die verschiedene Getreidearten auszeichnen, und stellen unterschiedliche Getreidesorten genauer vor.Weizen – vielseitiges Korn für jeden Geschmack
Weizen zählt zu den Grundnahrungsmitteln und versorgt unseren Körper mit Nährstoffen, die für uns unerlässlich sind. Neben Eiweiß, Fetten und Kohlenhydraten liefert er uns die Mineralstoffe Kalium, Magnesium, Zink und Eisen. Doch was sind alte Getreidesorten, die heute oft als Alternative zum modernen Weizen genannt werden? Dazu zählen neben Dinkel-Weizen auch Urgetreide wie Einkorn, Emmer und Khorasan-Weizen.
Weizen ist ein Sommer- sowie Wintergetreide. In Deutschland handelt es sich größtenteils um Winterweizen, da dieser bis zu 20 Prozent mehr Ertrag liefert. Weizen wird in Hart- und Weichweizen unterschieden. Bei der Vermahlung von Hartweizen entsteht Grieß. Dieser eignet sich besonders gut zur Herstellung von Teigwaren, ebenso wie für die Weiterverarbeitung zu Couscous und Bulgur. Weichweizen findet Verwendung bei der Herstellung von Brot, Pfannkuchen, Keksen und Kuchen.
Weizenmehl wird in verschiedene Mehltypen unterteilt. Die Zahl gibt den Mineralstoffgehalt des Mehles an. Je höher die Zahl, desto mehr Mineralstoffe sind enthalten.
Hafer – ein echtes Multitalent
Hafer zählt zum Sommergetreide und unterscheidet sich vom Aussehen deutlich von anderen Getreidearten. Die Körner des Hafers können zu Produkten wie Flocken, Mehl und Grütze verarbeitet werden. Die Haferflocken sind das bedeutendste Produkt des Hafers. Kernig, zart oder löslich sind sie fast in jedem Müsli oder Porridge zu finden.
Jährlich werden im Durchschnitt bis zu vier Kilogramm Hafer pro Person verzehrt. Hafer enthält mit circa sieben Prozent Fett den höchsten Fettgehalt aller Getreidearten. Enthalten sind vor allem einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Weitere enthaltene Nährstoffe sind neben Eiweiß die Mineralstoffe Calcium, Eisen und Zink. Im Vergleich zu anderen Getreidearten weist Hafer einen höheren Gehalt an Ballaststoffen auf. Mehr zum Thema erfahren Sie in unserem Magazinbeitrag „Haferflocken in der Ernährung“.
Gerste – ein Korn mit Potenzial
Gerste gibt es als Sommer- sowie Wintergetreide. Das Wintergetreide enthält reichlich Proteine und eignet sich besonders gut als Tierfutter. Das Sommergetreide findet wegen seines Gehaltes an Kohlenhydraten in Brauereien und Brennereien Verwendung.
Gerste wird in der Küche hauptsächlich bei der Zubereitung von Suppen und Eintöpfen eingesetzt, ansonsten ist es als Speisegetreide so gut wie nicht mehr auf dem Speiseplan zu finden. Im Vergleich zu anderen Getreidearten weist Gerste einen höheren Gehalt an Ballaststoffen auf.
Roggen – von Sauerteigbrot bis Pumpernickel
Nach Weizen nimmt Roggen in Deutschland den zweiten Platz unter den Getreidearten ein, liegt jedoch deutlich dahinter. Roggen gibt es als Sommer- und Wintergetreide. In Europa wird größtenteils Winterroggen angebaut, da die Anbaubedingungen vorteilhafter sind und mehr Ertrag erwirtschaftet werden kann.
Man unterscheidet fünf Roggenmehltypen: 815, 997, 1150, 1370 und 1740. Hinzu kommen Roggenvollkornmehl, Roggenvollkornschrot sowie Backschrot der Type 1800, das ohne Getreidekeimling hergestellt wird. Für die Herstellung von Roggenbroten spielt Sauerteig eine entscheidende Rolle: Roggenbrote werden aus technologischen Gründen immer mit Sauerteig gebacken.
Generell gilt: Je höher die Typenzahl, desto mehr Mineralstoffe enthält das Mehl. Broterzeugnisse wie Pumpernickel, Paderborner oder Schrotbrote werden mit Roggenmahlerzeugnissen hergestellt. Roggen enthält etwa die fünffache Menge des natürlichen Enzyms Phytase im Vergleich zu Weizen. Dies begünstigt eine bessere Verfügbarkeit von Mineralstoffen wie Eisen und Zink in Roggenbroten.
Mais – Spitzenreiter der weltweiten Ernte
Mais ist das weltweit vorherrschende Getreide. Mit einer Ernte von 53 Prozent im Jahr 2023 bezogen auf die gesamte Getreideernte macht es den größten Anteil aus, gefolgt von Weizen mit einem prozentualen Anteil von 37 Prozent.
Sechs Prozent der Maisernte entfallen auf unsere Ernährung. Dies entspricht einem jährlichen Verbrauch von fünf Kilogramm pro Kopf. Botanisch gesehen ist Mais ein Getreide. Es kommt aber auch als Gemüse zum Einsatz. Zu den bekanntesten Getreideprodukten aus Mais zählen Cornflakes und Popcorn. Auch als Maismehl, -grieß oder -stärke findet er Verwendung. Durchschnittlich enthält Mais 344 Kilokalorien pro 100 Gramm. Dies entspricht in etwa dem Kaloriengehalt von Weizen.
Reis – ein Grundnahrungsmittel
Die bedeutendsten Reisanbaugebiete der Welt befinden sich in Asien, wo etwa 90 Prozent der globalen Reisernte erzielt werden. Der größte Reisproduzent in Europa ist Italien.
Pro Kopf werden jährlich rund sieben Kilogramm Reis verzehrt. Der Anbau von Reis ist fast ausschließlich für den Verzehr vorgesehen, somit zählt er zum Grundnahrungsmittel für die Hälfte der Weltbevölkerung.
Was empfiehlt die DGE?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) empfiehlt beim Reisverzehr auf Natur- bzw. Vollkornreis zurückzugreifen, da er mehr Vitamine und Mineralstoffe enthält als weißer Reis. Die DGE-Qualitätsstandards weisen darauf hin, Reis aufgrund seiner vergleichsweise großen Klimawirkung nur gelegentlich in den Speiseplan aufzunehmen und stattdessen heimische Alternativen wie Dinkel oder Grünkern zu bevorzugen. Mehr zum Thema erfahren Sie in unserem Magazinbeitrag zum Thema Reis.
Getreidearten und -sorten: Die Vielfalt der Süßgräser einfach erklärt
Getreide gehört zur Familie der Süßgräser. Dazu zählen bekannte Getreidearten wie Weizen, Hafer und Gerste. Hinter jeder Art verbergen sich verschiedene Getreidesorten. Diese unterscheiden sich zum Beispiel in ihrem Geschmack und den Backeigenschaften. So gehören zu der Getreideart Weizen Sorten wie Dinkel-Weizen oder Hartweizen. Einfach erklärt: Die Getreideart ist wie eine große Familie, die Getreidesorten sind die einzelnen Familienmitglieder.Gluten – das Klebereiweiß im Getreide
Gluten ist ein Eiweiß, das in verschiedenen Getreidearten wie Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Dinkel vorkommt. Bezeichnet wird es auch als „Klebereiweiß“, da es eine klebrige Konsistenz erzeugt, wenn Getreide zu Teig verarbeitet wird. Dadurch verleiht es dem Teig Elastizität und Stabilität. Es gibt Personen, die gegen das Klebereiweiß eine Unerträglichkeit haben und darauf verzichten müssen – teilweise sogar lebenslang. Pseudogetreide wie Amaranth, Buchweizen und Quinoa können geeignete Alternativen darstellen. Lesen Sie hier alles Wichtige zum Thema Glutenunverträglichkeit.Die Pseudogetreide: Quinoa, Amaranth und Buchweizen
Sie sind botanisch kein Getreide, werden aber in der Küche als solches verwendet: Die Rede ist von bekannten Vertretern wie Amaranth, Buchweizen und Quinoa. Aus ihnen lassen sich beispielsweise glutenfreies Brot und Gebäck herstellen.Amaranth – ein echtes Powerkorn
Amaranth zählt zur Familie der Fuchsschwanzgewächse und ist eine der ältesten Nutzpflanzen. Angebaut wird er vor allem in Südamerika, Russland und China. Das Pseudogetreide kann ähnlich wie Reis zubereitet und als Beilage gereicht werden. Die getrockneten Samen können wie Puffmais geröstet und als Snack, im Müsli, in Suppen oder Süßspeisen serviert werden. Da Amaranthmehl das Klebereiweiß Gluten nicht enthält, eignet es sich nur begrenzt zum Backen.
Amaranth hat einen deutlich höheren Energiegehalt als Getreide, da es einen höheren Protein- und Fettgehalt aufweist. Durch den hohen Gehalt an essenziellen Aminosäuren wird dem Pseudogetreide eine hohe biologische Wertigkeit verliehen. Das bedeutet, dass der Körper das Eiweiß aus Amaranth gut in Körpereiweiß umwandeln kann. Der Anteil an Kohlenhydraten und Ballaststoffen ist in etwa so wie beim Getreide, ebenso wie der Gehalt an B-Vitaminen. Der Anteil an Mineralstoffen wie Calcium und Magnesium sowie Spurenelementen, genauer gesagt Eisen und Zink, ist höher.
Buchweizen – nussiges Korn mit asiatischen Wurzeln
Buchweizen ist ein Knöterichgewächs und hat seinen Ursprung in Asien. Die harte Schale des Buchweizens ist ungenießbar und muss vor der Weiterverarbeitung entfernt werden. Die Kerne lassen sich anschließend wie Reis garen und sind eine hervorragende Beilage. In der Pfanne geröstete Buchweizenkörner entfalten ein köstliches, nussiges Aroma und eignen sich als geschmackvolle Ergänzung für Salate oder Müsli.
Aus den Flocken und der Grütze lassen sich Bratlinge und Klöße herstellen. Beim Backen kann ein Teil des verwendeten Mehls bis zu 15 Prozent durch Buchweizenmehl ersetzt werden, ohne den Geschmack oder die Konsistenz des Gebäcks merklich zu beeinflussen. Buchweizen hat einen Energiegehalt, der mit dem von Hafer, Hirse und Reis vergleichbar ist. Mit einem Proteingehalt von elf Gramm und einem Fettgehalt von zwei Gramm entspricht es dem Gehalt in Weizen. Im Vergleich zu Brotgetreide enthält Buchweizen etwa zehn Gramm mehr Kohlenhydrate und rund vier Gramm weniger Ballaststoffe. Der Mineralstoffgehalt von Eisen und Zink entspricht weitgehend dem Gehalt von Weizen und Roggen.
Quinoa – kleiner Samen, großer Genuss
Quinoa stammt aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse. Ebenso wie Amaranth, zählt Quinoa zu den ältesten Nutzpflanzen. 95 Prozent der Ernte weltweit werden in Peru, Bolivien und Ecuador angebaut. Die Produkte können in der Küche genau wie Amaranth verwendet werden. Die Samen enthalten ähnlich viel Eiweiß, Kohlenhydrate und Fette wie Haferflocken. Quinoa hat eine gute biologische Wertigkeit und ist somit reich an Eiweiß. Darüber hinaus enthält Quinoa Mineralstoffe wie Magnesium, Eisen, Kalium und Calcium.
Vollkorn: das steckt drin
Bevorzugen Sie Getreideprodukte als Vollkornvariante. Vollkornprodukte werden aus dem vollständigen Getreidekorn, einschließlich der Schale und des Keims, gewonnen. Sie enthalten neben Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen auch Ballaststoffe. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) empfiehlt mindestens ein Drittel der Getreideprodukte als Vollkornvariante zu essen.
Um Ihren Körper an Vollkornprodukte zu gewöhnen, ist es ratsam, den Umstieg langsam zu gestalten, da eine plötzliche Umstellung zu Verdauungsbeschwerden wie Blähungen und Verstopfungen führen kann. Wichtig dabei ist außerdem, ausreichend Flüssigkeit aufzunehmen, damit die enthaltenen Ballaststoffe gut aufquellen können. Als Hilfestellung haben wir Ihnen hilfreiche Tipps, um mehr zu trinken zusammengestellt.
Hinweis: Nur wo Vollkorn draufsteht, ist auch Vollkorn drin, da der Begriff rechtlich geschützt ist. Achten Sie beim Einkauf also genau auf das Etikett. Mindestens 90 Prozent des enthaltenen Getreides müssen aus Vollkorn bestehen und dies muss deklariert sein.
Warum sind Ballaststoffe aus dem vollen Korn so wertvoll?
Ballaststoffe sind Kohlenhydrate, die der Mensch nur unvollständig verdauen kann. Sie enthalten keine bis wenige Kalorien und übernehmen wichtige Aufgaben im menschlichen Organismus. Sie sorgen beispielsweise für eine verzögerte Magenentleerung und regen die Darmtätigkeit an, was sich positiv auf die Verdauung auswirkt. Ballaststoffe tragen zu einer langanhaltenden Sättigung bei und können dabei helfen, das Körpergewicht zu halten oder zu senken.
Im Dickdarm dienen Ballaststoffe den dort lebenden Mikroorganismen als Nahrung und fördern so deren Wachstum. Mehr zur Wirkung von Ballaststoffen können Sie in unserem Magazinbeitrag „Ernährung und Darmgesundheit“ nachlesen.
Alles auf einen Blick: die wichtigsten Empfehlungen zu Getreidesorten und -arten zusammengefasst
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Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) (o. J.): Getreide, Getreideprodukte und Kartoffeln. DGE-Ernährungskreis, [online] https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/gut-essen-und-trinken/dge-ernaehrungskreis/getreide-getreideprodukte-und-kartoffeln/ [10.12.2025].
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Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) (o. J.): Vollkorn ist die beste Wahl. Die DGE-Empfehlungen, [online] https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/gut-essen-und-trinken/vollkorn/ [10.12.2025].
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Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) (2023): DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Betrieben, Behörden und Hochschulen, 6. Auflage, Bonn.
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Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) (2024): Ballaststoffe – wertvoll für Ihre Gesundheit, 5. aktualisierte Auflage, Bonn.
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Lobitz R (2024): Getreide ABC: Hafer. Flocken und noch viel mehr, [online] https://www.bzfe.de/presse/pressemeldungen-archiv/getreide-abc-hafer [10.12.2025].
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Lobitz R (2024): Getreide-ABC: Gerste. Für Tierfutter, Braumalz, Graupen, Brot und Co., [online] https://www.bzfe.de/presse/pressemeldungen-archiv/getreide-abc-gerste [10.12.2025].
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Lobitz R (2024): Getreide-ABC: Mais. Cornflakes, Popcorn, Grieß, Stärke und Co., [online] https://www.bzfe.de/presse/pressemeldungen-archiv/getreide-abc-mais [10.12.2025].
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Lobitz R (2024): Getreide-ABC: Reis. Grundnahrungsmittel für die Hälfte der Weltbevölkerung, [online] https://www.bzfe.de/presse/pressemeldungen-archiv/getreide-abc-reis [10.12.2025].
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Lobitz R (2024): Getreide-ABC: Pseudogetreide. Amarant, Buchweizen und Quinoa, [online] https://www.bzfe.de/presse/pressemeldungen-archiv/getreide-abc-pseudogetreide [10.12.2025].
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Lobitz R (2024): Getreide-ABC: Roggen. Aromatische Brote dank Sauerteig, [online] https://www.bzfe.de/presse/pressemeldungen-archiv/getreide-abc-roggen [10.12.2025].
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Müller C (2024): Ernährungspyramide: Was esse ich? Lebensmittel nach Ampelfarben auswählen, [online] https://www.bzfe.de/essen-und-gesundheit/ernaehrungspyramide/was-esse-ich#teaser [10.12.2025].
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Verbraucherzentrale NRW (2024): Brot und Getreideprodukte: Alles rund um das Grundnahrungsmittel, [online] https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/ernaehrung-fuer-senioren/brot-und-getreideprodukte-alles-rund-um-das-grundnahrungsmittel-48991 [10.12.2025].