Aufgetischt! Was jetzt auf den Stundenplan der Schulverpflegung gehört

apetito Kommunalevent 2026

Ab 2026 wird der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder Realität. Damit rücken Qualität, Versorgungssicherheit und Finanzierung der Gemeinschaftsverpflegung stärker denn je in den Fokus von Politik und Kommunen. Die Zukunft der Gemeinschaftsverpflegung lässt sich nur gemeinsam gestalten. Die apetito Veranstaltung brachte Akteurinnen und Akteure aus Politik, Verwaltung und Praxis zusammen, um über stabile Lieferketten, Investitionen in Infrastruktur und Ausstattung sowie tragfähige Finanzierungsmodelle für Kommunen zu diskutieren. Mit dem Ziel, Wege aufzuzeigen, wie qualitativ hochwertige Verpflegung für alle Kinder unabhängig vom sozialen Hintergrund gesichert werden kann.

Erfahren Sie hier mehr über die Ergebnisse des Events.

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Zum Download: Verpflegungslösungen für einen funktionierenden Ganztag

Positionspapier

Ganztag als Chance: Warum Schulverpflegung jetzt neu gedacht werden muss

Ein Beitrag von Klaus Ludmann, Geschäftsführer apetito Kids & Schools
Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung steht vor der Tür. Und mit ihm eine Frage, die bisher zu oft im Hintergrund lief: Wie versorgen wir Kinder eigentlich jeden Tag gut? Die Diskussionen bei unserem Event „Aufgetischt! Was jetzt auf den Stundenplan der Schulverpflegung gehört“ in Berlin haben eines sehr deutlich gemacht: Es geht längst nicht mehr nur um Betreuung. Es geht um Teilhabe, um Gesundheit und um die Frage, welche Voraussetzungen wir Kindern für ihren Alltag geben. Gleichzeitig ist der Nachholbedarf groß.
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Ernährung entscheidet auch über Bildungschancen Ganztag heißt für viele Kinder: täglich eine warme Mahlzeit. Für einige ist es die einzige verlässliche am Tag. Darin liegt eine enorme Chance. Wenn wir es richtig machen, erreichen wir alle Kinder. Unabhängig davon, wie sie aufwachsen. Ernährung wird dann nicht zum privaten Thema, sondern zu einer Frage der Chancengleichheit. In den Gesprächen wurde immer wieder deutlich, wie groß die Unterschiede bereits heute sind. In vielen Klassen sitzen mehrere Kinder, die von Armut betroffen sind. Wer hier ansetzt, verbessert nicht nur Ernährung. Er verbessert Konzentration, Leistungsfähigkeit und letztlich Bildungschancen.

Die Realität passt noch nicht dazu Wer mit Schulen spricht, hört schnell, wo es hakt. Es fehlt an Küchen. Es fehlt an Mensen. Oft fehlt schlicht der Platz. Dazu kommt Personalmangel und ein eng getakteter Schulalltag, der kaum Raum lässt für ein vernünftiges Mittagessen. Viele Schulleitungen stehen damit weitgehend allein da und sind organisatorisch überfordert. Das zeigt: Ganztag wird häufig noch als Betreuungsfrage behandelt. Tatsächlich ist er ein Infrastrukturthema. Ohne die richtigen Rahmenbedingungen bleibt der Anspruch Stückwerk.

Qualität braucht klare Orientierung Ein weiterer Punkt zieht sich durch alle Gespräche: Es fehlt an Klarheit. Es gibt Empfehlungen, es gibt Leitfäden. Aber im Alltag helfen sie oft nur begrenzt, weil sie zu komplex oder nicht konsequent umgesetzt sind. Was fehlt, ist ein verlässlicher Rahmen, an dem sich alle orientieren können. Nicht als starres Korsett, sondern als praktikable Leitlinie. Qualität darf nicht vom Zufall abhängen.

Das Vergabesystem bremst die Praxis aus Besonders deutlich wird das im Vergabeverfahren. Heute wird häufig noch darüber gestritten, welches Verpflegungssystem eingesetzt wird. Oder es entscheidet am Ende vor allem der Preis. Beides greift zu kurz. Entscheidend ist nicht, ob ein System „Cook & Chill“ oder anders heißt. Entscheidend ist, ob es zur Schule passt und ob es die Anforderungen erfüllt. Deshalb braucht es einen Perspektivwechsel. Ausschreibungen sollten beschreiben, was erreicht werden soll. Nicht, wie es technisch umgesetzt wird. Gleichzeitig müssen die Verfahren einfacher werden. Viele Kommunen kämpfen mit komplexen Regelwerken, die in der Praxis schwer handhabbar sind. Mehr Standardisierung, etwa über Rahmenverträge auf Landesebene, kann hier deutlich entlasten.

Kommunen brauchen realistische Lösungen Am Ende liegt die Umsetzung bei den Kommunen. Dort treffen politische Erwartungen auf begrenzte Mittel und knappe Ressourcen. Diese Lücke lässt sich nicht allein durch Appelle schließen. Was gebraucht wird, sind Lösungen, die im Alltag funktionieren. Klar definierte Anforderungen. Vereinfachte Prozesse. Und eine Aufgabenteilung, die die Kommunen nicht überfordert.

Prävention beginnt im Schulalltag Ein Aspekt wird oft unterschätzt: die langfristige Wirkung. Wer heute in gute Verpflegung und Ernährungsbildung investiert, investiert in Gesundheit. Und zwar nachhaltig. Kinder lernen früh, was ihnen guttut. Das wirkt weit über die Schulzeit hinaus. Gleichzeitig lassen sich langfristig Kosten im Gesundheitssystem reduzieren. Oder anders gesagt: Es ist teurer, hier nichts zu tun.

Jetzt die Chance nutzen Der Rechtsanspruch auf Ganztag setzt einen klaren Rahmen. Jetzt kommt es darauf an, was wir daraus machen. Wenn wir Schulverpflegung ernst nehmen, kann sie zu einem echten Hebel werden. Für mehr Chancengleichheit. Für bessere Bildung. Für eine gesündere Gesellschaft. Dafür braucht es keine perfekten Konzepte. Aber es braucht den Willen, die Dinge praktisch besser zu machen. Die Voraussetzungen sind da. Jetzt müssen wir sie nutzen.

Eindrücke vom Event

Fotos: Anika Nowak

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