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Ideen für ein gutes Verpflegungskonzept: Kita-Essen ausgewogen gestalten

Lesezeit: 7 Minuten

Das passende Verpflegungskonzept der Kita ist entscheidend, da viele Kinder einen großen Teil ihres Tages in der Einrichtung verbringen. Vom Frühstück bis zum Mittagessen im Kindergarten und einer Zwischenmahlzeit können sich die Konzepte erstrecken. Das Angebot für eine gesunde Ernährung in der Kita sollte ausgewogen und abwechslungsreich sein sowie den Geschmack der Kinder treffen. Doch die Umsetzung gestaltet sich nicht immer leicht. Deswegen zeigen wir Ihnen, wie sich gute Verpflegungskonzepte erkennen lassen und beantworten entscheidende Fragen.
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Was ist ein Verpflegungskonzept?

Ein Verpflegungskonzept beispielsweise für Kitas ist ein Regelwerk zur Organisation und Umsetzung der Verpflegung. Dies beinhaltet Ziele und Leitgedanken zum Beispiel zu mehr gesunder Ernährung im Kindergarten oder der Berücksichtigung besonderer Ernährungsbedürfnisse. Daraus abgeleitet ergeben sich mögliche Ernährungskonzepte für die Kita. Darüber hinaus entstehen in diesem Zusammenhang Ideen für eine zielgerichtete Qualitätssicherung, die unter anderem die Planung, Beschaffung und Zubereitung der Mahlzeiten einschließt.

Was zählt alles zur Verpflegung?

Ein gutes Verpflegungskonzept berücksichtigt nicht nur ernährungsphysiologische Aspekte, sondern auch Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Hygienestandards. Darüber hinaus setzt es pädagogische Schwerpunkte im Verpflegungsalltag und bezieht die Ernährungsbildung der Kinder mit ein. Es legt Verantwortlichkeiten fest, definiert Abläufe und sorgt dafür, dass die Qualität der Verpflegung regelmäßig überprüft und verbessert wird. So entsteht ein ganzheitlicher Rahmen, der allen Beteiligten – von Trägern und Mitarbeitenden bis hin zu Kindern und Eltern – Orientierung gibt und die Verpflegung dauerhaft auf hohem Niveau sicherstellt. Nachfolgend schauen wir uns wichtige Bestandteile des Verpflegungskonzepts in einer Kita im Detail an.

Frühstück und Zwischenmahlzeit – Welches Angebot gibt es?

In einigen Einrichtungen steht den Kindern ein Frühstücksbuffet zur Verfügung, sodass kein Kind etwas von zu Hause mitbringen muss. Dies hat den Vorteil, dass alle Kinder das gleiche Angebot an Lebensmitteln bekommen. Jedes Kind kann wählen, was ihm schmeckt und selbst entscheiden, was es essen möchte. So können die Kinder auch neue Lebensmittel kennenlernen. Es entsteht kein Neid und das Frühstück kann nicht zu Hause vergessen werden.

Am Nachmittag bieten viele Kitas Obst und Gemüse als gesunde Zwischenmahlzeit an. Weitere geeignete Zwischenmahlzeiten sind beispielsweise Naturjoghurt oder Vollkornprodukte.

Mittagessen in der Kita – Konzeption mit Einbezug der Kinder?

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Wird in einer Kita frisch oder tiefkühlfrisch gekocht, bietet das den Kindern viele Vorteile. Sie nehmen die Gerüche unterschiedlicher Lebensmittel wahr und können zu besonderen Anlässen in Koch- und Backprozesse mit eingebunden werden. Die aktive Beteiligung der Kinder hilft im Rahmen der Ernährungsbildung in der Kita dabei, dass diese die Mahlzeiten besser akzeptieren. Ein weiterer Vorteil ist, dass das Essen nicht über einen längeren Zeitraum warmgehalten wird. So werden Nährstoffverluste vermieden. 

Tiefkühlfrische Menükomponenten können außerdem je nach Anzahl der für das Mittagessen angemeldeten Kinder tagesaktuell berechnet und vorbereitet werden. In unserem Magazinbeitrag finden Sie weitere Informationen und Vorteile des Verpflegungssystems „Cook & Freeze“.

Ernährungsempfehlungen – Werden bestimmte Standards berücksichtigt?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) gibt in ihrem „DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Kitas“ Empfehlungen für eine gesundheitsfördernde und nachhaltige Verpflegung von Kitakindern. Ziel des DGE-Qualitätsstandards ist es, die Verantwortlichen in Kitas bei der Umsetzung einer bedarfsgerechten und ausgewogenen Verpflegung zu unterstützen und damit den Kindern ein vollwertiges Verpflegungsangebot zu ermöglichen. Dabei sollen Kinder früh lernen, bewusst mit Lebensmitteln umzugehen und die Umwelt zu schonen. Die DGE-Qualitätsstandards bieten praxisorientierte Hilfestellungen zu der Gestaltung der Verpflegung. Es werden unter anderem Kriterien für eine gesundheitsfördernde Lebensmittelauswahl sowie -qualitäten und Zubereitung benannt. Lebensweltbezogene Rahmenbedingungen, wie die Essensatmosphäre oder die Kommunikation mit den Gästen, sind ebenso Bestandteil des Qualitätsstandards.

Folgende Kriterien sollten bei der Speiseplanung für eine 5-Tage-Woche berücksichtigt werden:

  • täglich Getreide, Getreideprodukte und Kartoffeln, davon mind. 1x ein Vollkornprodukt
  • max. 1x ein Kartoffelerzeugnis (z. B. Kartoffelpüree (Flocken), Kartoffelklöße)
  • täglich Gemüse (frisch oder tiefgekühlt), davon mind. 2x Rohkost oder Salat sowie mind. 1x Hülsenfrüchte
  • mind. 2x Obst (frisch oder tiefgekühlt)
  • mind. 2x ein Milchprodukt mit definiertem Fettgehalt
  • max. 1x Fleisch/Wurst, davon mind. 2x mageres Muskelfleisch innerhalb von 20 Verpflegungstagen
  • mind. 1x Fisch, davon mind. 2x fettreicher Fisch innerhalb von 20 Verpflegungstagen
  • max. 1x frittierte und/oder panierte Produkte
  • max. 1x ein industriell hergestelltes Fleischersatzprodukt
  • 5x Getränke (Wasser oder ungesüßter Tee)

Kinder unter 3 Jahren – Gibt es eine spezielle Verpflegung?

Kinder unter 3 Jahren haben spezielle Anforderungen an die Ernährung. Ihr Verdauungs- und Immunsystem ist noch nicht vollständig entwickelt und das Kauen muss erst erlernt werden. So ist die Gefahr des Verschluckens hoch. Besondere Vorsicht ist beim Verzehr von kleinen, harten Lebensmitteln wie Nüssen, Rosinen und Beerenobst geboten. Aufgrund des noch nicht ausgereiften Verdauungstraktes sollten auch schwer verdauliche Lebensmittel gemieden und die Kinder schrittweise daran gewöhnt werden. Beispiele für solche Lebensmittel sind Hülsenfrüchte, Kohlgemüse und Zwiebeln.

Allergien und Unverträglichkeiten – Wie geht die Kita damit um?

Eine Allergie oder Unverträglichkeit sollte von der Kita sehr ernst genommen werden. Es muss sichergestellt werden, dass der Allergieauslöser nicht Bestandteil der Mahlzeiten des betroffenen Kindes ist. Die Verpflegung muss deshalb mit dem Kind bzw. dessen Angehörigen abgestimmt werden. Alle Beteiligten sollten gut informiert werden, was im Notfall zu tun ist. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, damit das Kind mit der Allergie oder Unverträglichkeit am Essen teilnehmen und dies genießen kann.

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Hierzu können Sie gegebenenfalls ein Attest in der Kita vorlegen, in dem die Allergie oder Unverträglichkeit genau benannt ist. Das erleichtert die Zubereitung des Essens. Wird die Einrichtung durch einen Caterer beliefert, können häufig geeignete Menüs bestellt werden. Gegebenenfalls besteht die Möglichkeit, dass das Essen von zu Hause mitgebracht werden kann. Hierbei gilt es zu beachten, dass dies aus hygienischen Gründen nicht in allen Einrichtungen erlaubt ist.

Essatmosphäre – Wie ist sie gestaltet?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie und wo die Kinder in der Kita essen. Viele nehmen die Mahlzeiten in ihren Gruppenräumen ein, andere essen ihr Frühstück und Mittagessen in einem gesonderten Bereich. Die Tische sollten ansprechend gestaltet sein, dabei können die Kinder helfen, genau wie beim Eindecken und Abräumen der Tische.

Rituale und Regeln – Welche Strukturen gibt es?

Klare Regeln geben Kindern Struktur und Sicherheit. Tischregeln und Rituale können zum Beispiel sein, dass die Kinder ihre Hände vor dem Essen waschen, dass man am Tisch sitzen bleibt, bis alle aufgegessen haben und das Geschirr abgeräumt wird, wenn man fertig mit dem Essen ist. Gemeinsam mit den Kindern kann über Regeln und Abläufe entschieden werden.

Ernährungsbildung – Gibt es spezielle Angebote?

Gemeinsame Mahlzeiten in der Kita bieten nicht nur Geselligkeit und Genuss. Diese Zeit gibt auch viel Raum für Ernährungsbildung. Gemeinsame Gespräche über das Essen, die Herkunft, Aussehen, Geruch und Geschmack lassen die Kinder viel über ihre Speisen erfahren.

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Außerdem sind Erzieherinnen und Erzieher Vorbilder für die Kinder, bei denen sie sich viel abschauen können. Essen sie Gemüse, werden auch die Kinder angeregt und motiviert diese Lebensmittel zu probieren. Weitere Maßnahmen fördern das Ernährungswissen der Kinder, wie gemeinsames Einkaufen und Kochen, Ausflüge zu Wochenmärkten oder zum Bauernhof sowie das Anpflanzen und Ernten von Gemüse und Obst im kitaeigenen Garten.

Ethische und religiöse Werte – Finden diese Beachtung?

Viele Kitas bieten verschiedene Möglichkeiten am Essen teilzunehmen, wenn aus ethischen, kulturellen oder religiösen Gründen auf Fleisch verzichtet wird. Häufig wird eine Alternative mit einer anderen Fleischart angeboten oder es gibt eine vegetarische Option zur Auswahl. Manche Kitas bieten eine Verpflegung ohne Schweinefleisch an oder setzen auf ein rein vegetarisches Angebot.

Jetzt sind Sie an der Reihe – Verpflegungskonzept in der Kita aktiv mitgestalten!

Es ist nicht immer möglich, die Kita mit dem Verpflegungskonzept auszuwählen, welches am besten zu einem passt. Doch auch als Eltern haben Sie die Möglichkeit, aktiv zu werden und positive Veränderungen anzuregen. Sprechen Sie die Elternvertretung auf Ihr Anliegen an oder nehmen Sie das Thema Ernährung mit zum Elternabend. Treten Sie mit der Kitaleitung oder dem Träger in Kontakt und erläutern Sie Ihr Anliegen.

Organisieren Sie in Abstimmung mit den Erzieherinnen und Erziehern verschiedene Aktionen rund um das Thema Ernährung. Dies können Infoveranstaltungen mit Fachkräften oder Aktionen sein, bei denen gemeinsam mit den Kindern gekocht, gegessen und gelernt wird.

Detaillierte Informationen erhalten Sie bei den Vernetzungsstellen Kitaverpflegung, die in fast allen Bundesländern vertreten sind. Diese stehen den Verantwortlichen vor Ort als Ansprechpartner zur Verfügung, wenn es um die Verpflegung in Kitas geht. Weitere Informationen und Kontaktdaten der Vernetzungsstellen finden Sie auf der Webseite der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).

Ausblick Schule – Wie geht es dort weiter?

Ein ausgewogenes Frühstück ist ein wichtiger Grundstein für einen guten Start in den Schulalltag. Kinder, die zu Hause nicht frühstücken, sollten eine abwechslungsreiche Verpflegung für die Pause mitnehmen. In unserem Magazinbeitrag finden Sie Informationen wie ein ideales Frühstück aussehen kann.

Mittagessen in der Schule – Was gilt es zu beachten?

Das Mittagessen in der Schule sollte abwechslungsreich, sättigend und vor allem lecker sein. Es gilt, Schülerinnen und Schüler von der Schulverpflegung zu überzeugen und für einen gesunden Lebensstil zu begeistern. Das Verpflegungsangebot sollte unter Berücksichtigung der DGE-Qualitätsstandards für die Verpflegung in Schulen nicht nur gesundheitsfördernd, sondern auch nachhaltig gestaltet sein, um unseren Planeten zu schützen. So ergeben sich viele Faktoren, die bedacht werde müssen.

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Hilfreiche Unterstützung bieten dabei die Vernetzungsstellen Schulverpflegung, die in jedem Bundesland vertreten sind. Sie stehen als Ansprechpartner für alle Beteiligten zur Verfügung und unterstützen bei der Planung sowie Einführung und Verbesserung einer ausgewogenen und attraktiven Schulverpflegung. Informationen zur Vernetzungsstelle Schulverpflegung finden Sie auf der Webseite der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

Zusammenarbeit mit einem Verpflegungsanbieter – Was spricht dafür?

Einrichtungen, die mit einem Verpflegungsanbieter zusammenarbeiten, können von zahlreichen Vorteilen profitieren. Verpflegungsanbieter verfügen über Fachwissen in der Speiseplanung, Lebensmittelauswahl und Zubereitung. Durch die häufig große Auswahl an Menüs und Menükomponenten, lässt sich eine ausgewogene und altersgerechte Ernährung für die Kinder sicherstellen. Auf individuelle Bedürfnisse, wie Allergien und Unverträglichkeiten kann optimal eingegangen werden. 
Zudem werden Küchenkräfte bei der Zubereitung des Essens entlastet. Gesetzliche Vorschriften zu Hygiene-Standards oder zur Kennzeichnung von Allergenen liegen in der Verantwortung des Anbieters. Hierdurch wird die Lebensmittelsicherheit erhöht. Auch hinsichtlich der Nachhaltigkeit lohnt sich die Zusammenarbeit mit einem Verpflegungsanbieter: Wenn dieser eine portionsgenaue Zubereitung ermöglicht, gibt es wenig Essensreste und Verpackungsmüll.

Artikel vom 25.09.2025