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09.08.2018

Nudging - Chance für eine gesunde Essenswahl

Ein gesunder Anstoß auch für die Gemeinschaftsverpflegung

Der Griff zum Schokoriegel am Verkaufstresen, die Pommes frites als Snack zwischendurch, wenn es mal schnell gehen muss oder der reflexartige Griff in die Chipstüte beim Fernsehen am Abend. Viele dieser Aktivitäten kommen uns sicherlich bekannt vor und all diese (häufig auch) unbewussten Aktivitäten, haben Auswirkungen auf unser Ernährungs- und Trinkverhalten. Dabei kann bereits ein kleiner Stups in die richtige Richtung eine große Wirkung im Hinblick auf eine gesunde Essenswahl mit sich bringen. Die Rede ist vom sogenannten „Nudging“ (engl.).

Was heißt "Nudging"?

Wörtlich übersetzt bedeutet „Nudge“ so viel wie „Anstupsen/Anstoßen“. Das Konzept stammt aus der Verhaltensforschung und wurde durch die Wissenschaftler Richard H. Thaler und Cass R. Sunstein bekannt. Im Fokus steht dabei die Umgestaltung der äußeren Umstände, was bereits das Verhalten der Menschen maßgeblich beeinflussen soll. Besonders wichtig dabei ist der Erhalt der Entscheidungsfreiheit. Nudging im Ernährungsbereich zielt darauf ab, durch einfache Veränderungen im Speisenangebot und in der Speisenpräsentation ein gesünderes Auswahlverhalten der Essensgäste zu fördern.

Nudging - auch etwas für die Gemeinschaftsverpflegung

Ob in der Schule, im Betriebsrestaurant, beim Einkaufen oder Zuhause – die Wahl für ein bestimmtes Angebot wird häufig durch die Situation und unsere Verhaltenstendenz bestimmt. Einige Entscheidungssituationen können bereits mit kleinen Mitteln beeinflusst werden.

apetito_Magazin_Buffet
Dabei ist die Devise ganz simpel:
• Verfügbarkeit: Wird erst gar kein Salat angeboten, kann dieser auch nicht den Weg auf den Teller finden.
• Zugänglichkeit und Positionierung: Werden in einer Warteschlange Süßigkeiten auf Augen- und Griffhöhe angeboten, dann werden diese auch gekauft. Doch was 
   würden Sie tun, wenn an dieser Stelle nun ein großer bunter Obstkorb stehen würde? 
• Preis: Wird eine zuckerreiche Limonade günstiger angeboten als Mineralwasser, wird in vielen Fällen die Limonade gewählt.
• Darstellung: Achten Sie in Ihrer Ausgabe auch auf die Darbietung Ihrer Speisen? Auch dies kann die Entscheidung zu einem bestimmten Produkt maßgeblich
   beeinflussen. Wird die Currywurst lecker angerichtet und beleuchtet, das vegetarische Menü hingegen nicht, dann wird der Griff zum Gemüse deutlich schwerer fallen.

Folgende Empfehlungen lassen sich ganz praktisch im Alltag umsetzen

apetito_Magazin_Obst im Becher
Viel Wasser trinken ist wichtig! Bieten Sie Wasser in attraktiven Flaschen im Wartebereich und direkt vor der Kasse an. So geht der Griff eher zur Wasserflasche als zu zuckerreichen Limonaden.
Gesund und Bunt! Gestalten Sie die Salattheke attraktiv mit gesunden Toppings und hochwertigen Ölen und stellen Sie attraktives Geschirr für Salate bereit. Gemüsegerichte können in der Ausgabe besonders hervorgehoben werden, z. B.  mit einer grünen Kennzeichnung. Bieten Sie außerdem To-Go-Varianten an, so kann der Salat auch mitgenommen werden.
Vollkorn hält länger satt! Platzieren Sie die Pausenbrot-Vollkornvarianten in den Vordergrund und erschweren Sie den Blick auf süßes Kleingebäck und fette Snacks.
Obst geht immer! Ob als Stückobst, klein geschnitten als Obstsalat oder auch zum Mitnehmen. Obst und Früchte sollten in verschieden Farben, Formen und Varianten immer wieder angeboten werden. Darüber hinaus können To-Go-Obstsalat-Becher ideal mitgenommen werden und liefern Vitamine für den ganzen Tag.
Dass Nudging wirklich Erfolge mit sich bringt, belegt ein Modellprojekt des Kompetenzzentrums für Ernährung (KErn) in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse und der Hochschule Albstadt-Sigmaringen.  Dabei wurden Nudging-Ansätze in Hochschulmensen eingesetzt und die Effekte auf die Speiseauswahl untersucht.
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