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26.06.2019

Nudging

Verhaltensstupser für ein ausgewogenes Essverhalten

Der Griff zum Schokoriegel am Verkaufstresen, die Pommes frites wenn es mal schnell gehen muss oder der reflexartige Griff in die Chipstüte beim Fernsehen am Abend. Viele dieser Aktivitäten kommen Ihnen sicherlich bekannt vor und all diese unbewussten Aktivitäten haben Auswirkungen auf unser Ernährungs- und Trinkverhalten. Dabei kann bereits ein kleiner Stups in die richtige Richtung große Wirkung auf eine gesunde Ernährung nach sich ziehen. Die Rede ist vom sogenannten „Nudging“.

Stupsen statt schubsen

Wörtlich übersetzt bedeutet „Nudge“ so viel wie „Anstupsen/Anstoßen“. Das Konzept stammt aus der Verhaltensforschung und wurde durch die Wissenschaftler Richard H. Thaler und Cass R. Sunstein bekannt. Im Fokus steht dabei die Umgestaltung der äußeren Umstände, was bereits das Verhalten der Menschen maßgeblich beeinflussen soll. Besonders wichtig dabei ist der Erhalt der Entscheidungsfreiheit. Nudging im Ernährungsbereich zielt darauf ab, durch einfache Veränderungen im Speisenangebot und in der Speisenpräsentation ein gesünderes Auswahlverhalten der Essensgäste zu fördern.

Nudging in der Gemeinschaftsverpflegung

Ob in der Schule, im Betriebsrestaurant, beim Einkaufen oder Zuhause – die Wahl für ein bestimmtes Angebot wird häufig durch die Situation und unsere Verhaltenstendenz bestimmt. Einige Entscheidungssituationen können bereits mit kleinen Mitteln beeinflusst werden.

Nudging
Das können Sie tun:
• Verfügbarkeit: Wird erst gar kein Salat angeboten, kann dieser auch nicht den Weg auf den Teller finden.
• Zugänglichkeit und Positionierung: Werden in einer Warteschlange Süßigkeiten auf Augen- und Griffhöhe angeboten, dann werden diese auch gekauft. Doch was würden Sie tun, wenn an dieser Stelle nun ein großer bunter Obstkorb stehen würde? 
• Preis: Wird eine zuckerreiche Limonade günstiger angeboten als Mineralwasser, wird in vielen Fällen die Limonade gewählt.
• Darstellung: Achten Sie in Ihrer Ausgabe auch auf die Darbietung Ihrer Speisen? Auch dies kann die Entscheidung zu einem bestimmten Produkt maßgeblich beeinflussen. Wird die Currywurst lecker angerichtet und beleuchtet, das vegetarische Menü hingegen nicht, dann wird der Griff zum Gemüse deutlich schwerer fallen.

Folgende Empfehlungen lassen sich ganz praktisch im Alltag umsetzen:

Nudging in der Gemeinschaftsverpflegung
Wasser trinken: Bieten Sie Wasser in attraktiven Flaschen im Wartebereich und direkt vor der Kasse an. So geht der Griff eher zur Wasserflasche als zu zuckerreichen Limonaden.
Gesund & bunt: Gestalten Sie die Salattheke attraktiv mit gesunden Toppings und hochwertigen Ölen und stellen Sie attraktives Geschirr für Salate bereit. Gemüsegerichte können in der Ausgabe besonders hervorgehoben werden, z. B.  mit einer grünen Kennzeichnung. Bieten Sie außerdem To-Go-Varianten an, so kann der Salat auch mitgenommen werden.
Vollkornprodukte: Platzieren Sie die Vollkornprodukte in den Vordergrund. Diese sind besonders nährstoffreich und aufgrund des Ballaststoffgehalts können sie eine länger andauernde Sättigung bewirken.
Erschweren Sie zusätzlich den Blick auf süßes Kleingebäck und fette Snacks. 
Obstverzehr steigern: Ob als Stückobst, als Obstsalat oder zum Mitnehmen. Obst sollte in den verschiedensten Farben, Formen und Varianten immer wieder angeboten werden. Darüber hinaus sind To-Go-Becher die ideale Variante um den Obstsalat für einen späteren Zeitpunkt mitzunehmen. 
Dass Nudging wirklich Erfolge mit sich bringt, belegt ein Modellprojekt des Kompetenzzentrums für Ernährung (KErn) in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse und der Hochschule Albstadt-Sigmaringen. Dabei wurden Nudging-Ansätze in Hochschulmensen eingesetzt und die Effekte auf die Speiseauswahl untersucht.
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